Walter Bauer
1. November 1968, Fulda
Walter Bauer absolviert nach einer kaufmännischen Ausbildung in Freiburg, Berlin und Tübingen ein Studium der Wirtschafts- und Staatswissenschaften und ist anschließend unter anderem in der Montanwirtschaft tätig. Er ist Mitglied der Demokratischen Partei (DDP) und heiratet 1925 Klara Frank, aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor.
Nach der Machtübernahme Hitlers steht Walter Bauer der Bekennenden Kirche nahe und unterstützt diese finanziell. Im Sommer 1942 nimmt er an einer Besprechung des Freiburger Kreises zur Planung der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Ordnung für die Zeit nach dem NS-Regime teil, zudem hält er engen Kontakt zum Berliner Kreis um Dietrich Bonhoeffer.
Durch seine Verbindungen zum Kreis um Carl Goerdeler wird die Gestapo nach dem 20. Juli 1944 auf Bauer aufmerksam. Er wird am 15. Oktober 1944 in Heilbronn festgenommen, nach Berlin in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 gebracht und während der Verhöre wiederholt misshandelt.
Die Anklageschrift des „Volksgerichtshofs” erreicht ihn am 20. April 1945. In der Woche darauf soll die Verhandlung gegen ihn und Constantin von Dietze stattfinden, wozu es jedoch angesichts des Vorrückens der Roten Armee nicht mehr kommt. Walter Bauer wird am 21. April aus der Haft entlassen.
Nach Kriegsende ist Walter Bauer als Unternehmer tätig. Er ist Mitglied des Diakonischen Rates der Evangelischen Kirche, Mitbegründer des „Hilfswerks 20. Juli 1944” sowie 1950/51 Mitglied der deutschen Delegation zur Bildung der Montanunion, auf deren Grundlage die spätere Europäische Union entsteht.
Nach vielstündiger Vernehmung brachte mich Baumer in das Zellengefängnis Lehrter Straße zurück. Ich war an Gesäß, Oberschenkeln und Rücken schwarz angelaufen und konnte mich tagelang kaum bewegen.
Walter Bauer über seine Vernehmung Ende Oktober 1944 durch Josef Baumer
Quelle: Archiv der Staatsanwaltschaft Hamburg, Verfahren gegen Josef Baumer, Schreiben von Walter Bauer vom 15. Oktober 1954













