Theodor Baensch
9. Juli 1973, Berlin (West)
Theodor Baensch absolviert eine kaufmännische Lehre und bekommt schon als Jugendlicher Kontakt zur Arbeiterbewegung. Ende der 1920er Jahre lernt er Willi Münzenberg kennen, tritt 1928 der KPD bei und arbeitet als Buchhalter und Revisor für verschiedene Unternehmen der Internationalen Arbeiter Hilfe (IAH) wie dem Neuen Deutschen Verlag und der Prometheus-Film-Gesellschaft.
Bereits im April 1933 wird Baensch für mehrere Wochen in „Schutzhaft” genommen. Im August 1933 emigriert er nach Paris, wo er in Münzenbergs Verlag Editions du Carrefour mitarbeitet, der das „Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitlerterror” herausgibt. Als Filmkaufmann ist er ab 1934 für den Vertrieb sowjetischer Filme in Europa und den USA verantwortlich.
Im September 1939 wird Theodor Baensch in Frankreich interniert und kehrt im Sommer 1940 nach Deutschland zurück, wo er in den folgenden Jahren als Bilanzrevisor tätig ist. Im Mai 1942 wird Baensch erneut festgenommen und im September 1942 vom „Volksgerichtshof” wegen versuchter „Vorbereitung zum Hochverrat” zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt.
Die Haftstrafe, die er vor allem im Zuchthaus Brandenburg-Görden verbüßt, endet im Mai 1944. Baensch wird jedoch nicht entlassen, sondern erneut in „Schutzhaft” genommen. Zunächst im „Hausgefängnis” der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße 8 inhaftiert, wird er am 22. Juli 1944 in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 überstellt, wo er in der Gestapo-Sonderabteilung als Kalfaktor eingesetzt wird. Am 23. April 1945 wird Baensch aus der Haft entlassen.
Nach Kriegsende arbeitet er beim Magistrat von Groß-Berlin und leitet später die Abteilung Film beim Senator für Volksbildung.
Von September ab, bis zur Auflösung des Gefängnisses in der letzten Aprilwoche 1945, wurde der Arbeitsdienst in den beiden Gefängnisflügeln, die der Gestapo unterstanden, von fünf Bibelforschern, die eigens zu diesem Zweck aus Sachsenhausen angefordert wurden und mir und einem anderen politischen Zuchthausgefangenen versehen. ... Unsere tägliche Arbeit bestand vornehmlich in der Entleerung der Zellenkübel, der Reinigung der Treppen und Gänge und in der Essensverteilung.
Erinnerungsbericht von Theodor Baensch an seine Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße 3, 1948
Quelle: Bundesarchiv, Dy 55/V 278/6/613








