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Heinrich Albert

12. Februar 1874, Magdeburg
1. November 1960, Wiesbaden

Der Jurist Heinrich Albert wird 1901 in das Reichsamt des Inneren berufen und ist von 1914 bis 1917 Han­dels­attaché in den USA. 1919 wird er partei­los Staats­sekretär der Reichs­kanzlei und 1922/23 unter Wilhelm Cuno Reichs­schatz­mi­nister und Reichs­minis­ter für Wie­der­auf­bau. Mit Ende der Regie­rung Cuno schei­det er aus der Politik aus und ist anschlie­ßend als Wirt­schafts­anwalt tätig, ab 1924 für den Ford-Konzern. 

Anfang 1933 vorsitzender Vorstand der Nord­deut­schen Lloyd in Bremen, wehrt sich Heinrich Albert gegen Ent­lassungen und Haken­kreuzfahnen auf den Schiffen und scheidet am 1. Oktober 1933 aus der AG aus. Als Anwalt in Berlin hält er trotz Repressalien Geschäfts­bezie­hungen mit verfolg­ten Personen auf­recht. Mit Otto Geßler, Eduard Hamm und Franz Kempner – vor 1933 Reichs­wehr­minister, Wirt­schafts­minister und Staats­sek­retär –, tauscht er sich über Möglich­keiten des Widerstands aus und ist in die Umsturz­planungen der Verschwörer einge­bunden.     

Am 19. September 1944 wird Heinrich Albert fest­ge­nommen und am 2. Dezember 1944 wird er in die Ges­tapo-Abtei­lung des Zel­len­ge­fäng­nis­ses Lehrter Straße ein­ge­lie­fert. Mangels Beweisen kommt es jedoch zu keiner Anklage. Nach Bemü­hungen von Freun­den wird er am 11. Februar 1945 aus der Haft entlassen und unter Kontrolle der Gestapo ge­stellt, eine erneute Fest­nahme kommt nicht mehr zur Aus­führung. 

Nach Kriegs­ende arbeitet Heinrich Albert wieder als Anwalt. Er stirbt 1960 in Wiesbaden.  

Es kann kein Zweifel bestehen, dass die Wieder­verhaf­tung zu meinem Tode durch ,Liqui­dierung’ geführt hätte. Die Haft hat schwere Folgen für meinen Gesund­heits­zustand gehabt, die auch heute noch nicht über­wunden sind.

Heinrich Albert in seinem Lebenslauf vom 15. Dezember 1957

Quelle: Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) Berlin, Entschädigungsakte Heinrich Albert, Reg. 1800

Im September 1944 kam es zu meiner Verhaf­tung durch die Geheime Staats­polizei wegen Beteiligung am 20. Juli 1944, sowie wegen Juden­freund­lichkeit. Die anderen Mitglieder des Gremiums wurden gleich­zeitig verhaftet. Geßler ist nach Folterung und gesund­heitlichem Zusam­men­bruch in letzter Stunde entlassen worden, Hamm hat sich im Gefängnis getötet, Kempner ist hinge­richtet worden. So konnte mir weder das Angebot einer Stellung in der Goerdeler-Regierung, noch meine grund­sätzliche Zusage, noch die Kenntnis von dem geplanten Attentat nach­gewiesen werden.

Heinrich Albert über seine Festnahme und politische Freunde, 15. Dezember 1957

Quelle: Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) Berlin, Entschädigungsakte Heinrich Albert, Reg. 1800

Portrait: Heinrich AlbertHeinrich Albrecht, um 1946